GEESA MARIE TUCH
Projekt:
«Diffundierende Bild- und Erzählformen im europäischen Spielfilm zwischen 1944 und 1949». Betreut von Prof. Dr. Jörg Schweinitz, UZH
Abstract:
Die Dissertation widmet sich der Konstruktion filmischer Kriegs- und Nachkriegserfahrung im europäischen Kino der Jahre 1943-49. Angenommen wird dabei die Durchlässigkeit nationaler Grenzen bei der Entstehung charakteristischer Bildformen in den 1940er Jahren. Der Zweite Weltkrieg hat die transnationale Diffusion filmischer Formen im europäischen Kino nicht blockiert, vielmehr illustrieren die Filme der vierziger Jahre, dass die filmästhetischen Austauschprozesse eigenen Regeln folgten, die nicht in einem monokausalen Verhältnis zur politischen Situation der einzelnen Länder standen. Es soll die Zirkulation von visuellen und narrativen Stereotypen in den Kriegs- und Nachkriegskinematographien einer Reihe von Ländern analysiert werden, die in der Kriegzeit politisch ganz unterschiedlich verortet waren.
Die Leitfrage der Diffusion löst dabei die filmhistorische Entwicklung zumindest partiell aus der Logik nationaler Interessen und Identitätspolitiken heraus und öffnet den Blick auf den filmischen „Text“, sie wirft aber zugleich die Frage nach den politischen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen einer grenzübergreifender filmischer Formen auf.
Dabei gilt es die spezifische Beziehung zwischen den Erzählformen des Kinos und der Konstruktion einer filmischen Erfahrung des Zweiten Weltkriegs näher zu untersuchen. Lassen sich Schlüsselbilder und Stereotypisierungen identifizieren, die eine zeittypische und nationale Grenzen übergreifende Poetik der filmischen Aufarbeitung des Zweiten Krieges und seiner Folgen konstituieren?
Curriculum Vitae
Studium der neuen deutschen Literatur an der Humboldt Universität zu Berlin und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft and der Freien Universität Berlin. Magister Abschluss 2008 mit einer Arbeit über den Untergang als Erzählform im westdeutschen Spielfilm der fünfziger Jahre. 2005-2006 Forschungsassistentin am Department for German Studies an der Cornell University. Seit Oktober 2009 Mitarbeiterin im ProDoc «Kino und audiovisuelle Dispositive: Diskurse und Praktiken».
Siehe auch die Website des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich