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PRODOC: FORSCHUNGSMODUL

«Diffusion - Über das transnationale Zirkulieren filmischer Bilder und Bildformeln»

Hauptgesuchtstellerin
Prof. Dr. Margrit Tröhler, Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich

Das Projekt erforscht die Zirkulation von Filmen, Bildformeln und -praktiken. Im 20. Jahrhundert begründen Filmbilder eine emotionale und faktische Erinnerungskultur, die international ähnliche Bindungen hervorruft und dennoch regional unterschiedliche Aneignungsformen generiert.

Résumé
Der Begriff Diffusion erfasst das Zirkulieren von Bildformeln und -praktiken, das durch Produktion, Distribution und Rezeption angeheizt wird, ohne dass es in einen geschlossenen Kreislauf mündete. Das Teilprojekt des ProDoc «Kino und audiovisuelle Dispositive: Diskurse und Praktiken» (Hauptgesuchstellerin: Prof. Maria Tortajada) akzentuiert dessen transnationale Dimension. Es erforscht das Zirkulieren von Bildern und Bildpraktiken als kulturelle Dynamik in ihren politischen, ökonomischen, sozialen, ästhetischen und symbolischen Aspekten. Die drei Teilprojekte widmen sich «Diffundierenden Bild- und Erzählformen im europäischen Spielfilm zwischen 1944 und 1949», die zur Kriegs- und Nachkriegserfahrung beitragen; dem «Kinder- und Jugendfilm», der ein Bild von Adoleszenz entwirft, das heutigen Jugendlichen nicht nur als Verhaltensmodell dient, sondern durch ihre mediale Beteilung zur Selbstdarstellung verhilft; dem chinesischen Animationsfilm, der durch staatliche wie alternative Kanäle seit den 1990er Jahren international erfolgreiche Verbreitung fand.

Ziele
Der Akzent liegt auf der Funktion von audiovisuellen Produktionen in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Neben dem Gebrauchswert von Bildern und den Mechanismen eines Bildergedächtnisses interessieren Fragen der Macht. Methodisches Ziel ist die Erforschung der Interaktion von Diskursen und Praktiken, von Institutionen und einzelnen Akteuren sowie von Bild- und Kontextanalyse in dynamischer Perspektive. So können Aussagen über die transnationale Bedeutung von Filmkultur und das Kino als Schrittmacher einer allgemeinen Medienentwicklung gemacht werden.

Bedeutung
Das Projekt zeichnet produktions- wie rezeptionsseitige Strategien der Entstehung, Verbreitung und Aneignung von Bildern in historischen und kulturellen Kontexten nach. Damit beschreibt es das Funktionieren von Filmkultur in unserer globalen Gesellschaft. Die Dynamiken des Bildergedächtnisses werden auf soziokulturelle und transnationale Implikationen hin befragt und im intermedialen und interdisziplinären Feld verankert. In der Verbindung von operablen Modellen und konkreten Fallstudien wie in der methodologischen Diskussion beanspruchen die Untersuchungen, zur Erneuerung der Filmgeschichtsschreibung und Filmtheorie beizutragen und können darüber hinaus nachhaltig fruchtbar gemacht werden: in der Archivpolitik, Entwicklung von Jugendmedien, Beziehung Schweiz-China.